Close

DER STANDART (Wien): „Deutsche AKWs statt Strom aus Temelín“

Bundestags-Abgeordneter in Wien  Wien – Der Vorsitzende des Europa-Ausschusses im Deutschen Bundestag, Gunther Krichbaum (CDU), hat den Atombeschluss von CDU/CSU und FDP verteidigt. Die Spitzen der beiden Regierungsparteien haben sich am Sonntag darauf geeinigt, dass die deutschen Atomkraftwerke im Schnitt zwölf Jahre länger Strom produzieren. Krichbaum argumentierte bei einem Pressegespräch am Montag in Wien, hinsichtlich […]

Bundestags-Abgeordneter in Wien 
Wien – Der Vorsitzende des Europa-Ausschusses im Deutschen Bundestag, Gunther Krichbaum (CDU), hat den Atombeschluss von CDU/CSU und FDP verteidigt. Die Spitzen der beiden Regierungsparteien haben sich am Sonntag darauf geeinigt, dass die deutschen Atomkraftwerke im Schnitt zwölf Jahre länger Strom produzieren. Krichbaum argumentierte bei einem Pressegespräch am Montag in Wien, hinsichtlich der zahlreichen Störfälle im tschechischen Atomkraftwerk Temelín, dass es "keinen Sinn macht, deutsche AKWs abzuknipsen und stattdessen Strom aus Temelín zuzukaufen". Man müsse die Sicherheit der deutschen AKWs differenziert betrachten, so der deutsche Bundestags-Abgeordnete.
Kroatien in "Pole-Position"
Krichbaum kam nach Wien, um unter anderem darüber zu sprechen, wie der EU-Integrationsprozess der südosteuropäischen Länder wie Kroatien und Serbien voranschreitet. Krichbaum plädiert dafür, den EU-Beitritt Kroatiens zu forcieren. Allerdings fordert er Zagreb auf, den Justizsektor zu verbessern.
Nach einem EU-Beitritt Kroatiens spiele für weitere Beitrittsverhandlungen in Südosteuropa vor allem Serbien eine Schlüsselrolle. Krichbaum lehnt pauschale Beitrittsverhandlungen ab und respektiert außerdem Serbiens Entscheidung, die Unabhängigkeit des Kosovos nicht anzuerkennen. "Die Dinge brauchen Zeit", betont Krichbaum. Der proeuropäische Geist müsse sich erst in der serbischen Gesellschaft verankern. Krichbaum hofft auf die junge Generation.
Einen "politischen Placeboeffekt" nennt Krichbaum die Politik des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in der Roma-Frage. Sarkozy stelle nationale Interessen vor geltendes EU-Recht. Die Roma in Frankreich hätten innerhalb der EU Reisefreiheit, weshalb sich nun auch die EU-Komission mit der Sache befasse. Bei den EU-Erweiterungen sei auf den Minderheitenschutz nicht vergessen worden.
(ropa/DER STANDARD-Printausgabe, 7.9.2010)