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PZ-Serie: „Post aus Berlin“

Regelmäßig berichtet Gunther Krichbaum in der Pforzheimer Zeitung zu Themen aus der aktuellen politischen Debatte. Diesmal: "Lebendiges Europa"

Mit seinem Rücktritt hat Karl-Theodor zu Guttenberg die leider unvermeidbare politische Konsequenz aus seiner fehlerhaften Doktorarbeit gezogen, nachdem die Uni Bayreuth bereits letzte Woche die schwerste wissenschaftliche Sanktion verhängt hatte. Dieser respektvolle Schritt ist ihm ganz sicher nicht leicht gefallen, denn er hat sein Amt mit sehr viel Herzblut, großem Engagement und viel Unterstützung in der Bevölkerung ausgeübt. Zugleich hat er sich mit der Neustrukturierung der Bundeswehr und der Reform der Wehrpflicht große Verdienste erworben.
Angela Merkel hat es treffend formuliert: So viel Scheinheiligkeit und Verlogenheit, wie wir sie in den letzten Tagen erleben mussten, hat es in Deutschland lange nicht gegeben. Denn der vereinten Opposition ging es nie um dem Erhalt wissenschaftlicher Werte, sondern ausschließlich um eine – auch persönliche – Beschädigung von zu Guttenberg und der gesamten Union. Wie sah es denn mit der persönlichen Verantwortung von Fischer aus, der Polizisten dienstunfähig geprügelt hatte und wie bei Stolpe, der eng mit der Stasi kooperierte? So viel zum Thema Glaubwürdigkeit und persönliche Konsequenz. Pikant sind außerdem Berichte des „Stern“, wonach der jetzt so empörte SPD-Fraktionschef Steinmeier zu seiner Zeit als Außenminister sein Amt offensichtlich fleißig zum Spendensammeln nutzte. Spendenzusagen scheinen für Gesprächstermine nützlich gewesen zu sein. Für mich bleibt Karl-Theodor zu Guttenberg ein enger politischer Freund und ich bin mir sicher dass ihm die Bevölkerung – sofern er das selber möchte – beizeiten eine zweite Chance einräumen wird.
Die Verbesserung der Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer ist mir ein großes Anliegen. Meine Betriebsbesuche nutze ich daher gerne, um mehr Aufmerksamkeit auf Unternehmen zu lenken, die sich in diesem Bereich besonders engagieren. So auch kürzlich, als mich mein Calwer Kollege und Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Hans-Joachim Fuchtel, begleitete. Sowohl beim Leiterplattenhersteller Greule in Engelsbrand als auch bei DODUCO in Pforzheim wurde uns sehr anschaulich berichtet, dass der Fachkräftemangel in bestimmten Berufen bereits heute Realität ist. Daher setzen beide Unternehmen verstärkt auf ältere Arbeitnehmer, auch weil sie deren Erfahrung und ihre positive Einstellung zur Arbeit schätzen. Die Bundesregierung unterstützt dies, beispielsweise mit dem Programm „50+“, das vielfältige Unterstützungsmaßnahmen für Beschäftigte und Arbeitgeber umfasst. Denn in einer älter werdenden Gesellschaft können wir es uns nicht leisten, Arbeitnehmer schon mit Mitte 50 zum „alten Eisen“ zu legen. Daher kann das Beispiel beider Unternehmen zur Nachahmung nur dringend empfohlen werden und den örtlichen Arbeitsagenturen obliegt es, die bestehenden Förderprogramme gerade bei kleineren Unternehmen noch bekannter zu machen.